Forschung
Microsoft-Forscher Krumm: Systemdynamik ist schwer beherrschbar
„Beim Ubiquitous Computing hilft der Rechner wie ein Freund“
03. Dezember 2007
Verhalten, Vorlieben und Umgebungsdaten – auf diesem Mix setzen Ubiquitous-Computing-Forscher (Ubicomp) Anwendungen auf, die unaufdringlich assistieren. John Krumm von Microsoft Research rät IT-Leitern, sich schon heute mit den ad hoc vernetzten eingebetteten Systemen zu beschäftigen.
CZ – Wie wird Ubicomp unser Alltagsleben verändern?
Krumm – Das Ziel ist ja, einem Anwender nützliche Informationen zukommen zu lassen, wann und wo auch immer. Dazu hilft ein Rechner manchmal unauffällig und subtil wie ein guter Freund – oder der Benutzer wird aktiv, indem er den Rechner beim Einkaufen um einen Preisvergleich bittet. Außerdem soll die Information angemessen angeliefert werden – beispielsweise vibriert das Handy nur, wenn es darauf hinweisen will, dass die nächste Verabredung drängt. Es geht auch aufdringlich: Bei der Augmented Reality überdeckt eine Information in einer Brille die reale Welt.
CZ – Und wo setzen die Informatiker für ihre Lösungen an?
Krumm – Wir schließen aus dem Kontext des Anwenders – hier sind Aktivitäten, Ziele und Ressourcen einbezogen –, wie ein System sensibel assistieren kann. Um adäquate Geräte und Dienstleistungen zu entwickeln, beobachten wir, wie mit Technik umgegangen wird. Und natürlich forschen wir auf Netzwerk- und Sicherheitsebene sowie auf dem Gebiet der Serviceidentifizierung, wie sich Computer spontan zu einer Gruppe verbinden, um im Sinne des Anwenders zu kooperieren.
CZ – Ubicomp-Systeme sind verteilt und hoch dynamisch. Können diese überhaupt beherrscht werden?
Krumm – Auf die elegante Gestaltung der Adhoc-Zusammenarbeit verschiedener Computersysteme verwendet die Forschergemeinde viel Gehirnschmalz. Es ist fast unmöglich vorherzusagen, welche Servicekombinationen und Gerätekapazitäten erforderlich sind, wenn Anwender auf freiem Feld eine Ubicomp-Lösung starten.
CZ – Welche Anforderungen entstehen dabei?
Krumm – Sie marschieren mit einem nicht spezifizierten Mobilgerät in ein Café, wo verschiedene Services angeboten werden. Sie können sich lokale Events anhören, Nachrichten von anderen Kunden lesen oder Sonderangebote des Ladens erfahren. Dazu muss das Mobilgerät flexibel genug sein, um sich in das lokale Netz einzuklinken, mit den Endgeräten anderer Kunden Kontakt aufzunehmen und die verfügbaren Dienste herauszufinden. Diese wiederum müssen sich auf verschiedenen Endgeräten präsentieren.



