Angriffsabwehr

Webfeld-Verschlüsselung legt fiesem Trojaner Sinowal das Handwerk

von Armin Barnitzke

11. November 2008


Seit 2006 treibt der äußerst gemeine Trojaner Sinowal sein Unwesen im Internet. Seit dem soll er 300 000 Online-Banking-Accounts sowie eine ähnliche Anzahl von Kredikartendaten gestohlen haben. Eine gezielte Verschlüsslung von Webformularen und -adressen kann ihn aber stoppen.


 

„Der Trojaner Sinowal, über den ein Security-Unternehmen kürzlich detailliert in seinem Security-Blog berichtete, taugt zum Alptraum“, berichtet Alexander Meisel, CTO und Mitgründer des Web-Firewall-Spezialisten Art of defence. „Der Trojaner ist seit Jahren aktiv – was an sich schon ungewöhnlich ist – und extrem intelligent: Bei 2.700 Onlinebanking-Sites weltweit kann er theoretisch in Transaktionen eingreifen – und dann Überweisungen auf fremde Konten umleiten.“


Hat sich der Trojaner auf dem Rechner eines Users eingenistet – beispielsweise per Drive-by-Download – schlummere er dort unbemerkt, bis die URL eines ihm bekannten Online-Banking-Angebots aufgerufen wird, so Meisel . Dann wird er aktiv: „Wenn der User beispielsweise eine Überweisung vornimmt, legt er eine Art Maske über das Fenster, in dem Kontonummer, Bankleitzahl, Betrag und Betreff eingegeben werden. In diesem Fenster landen die Eingaben, die der Nutzer macht; die darunter liegende Originalmaske füllt der Trojaner dagegen mit einer Überweisung an seinen Herrn und Meister aus.“ Der Online-affine Bankkunde merkt davon nichts. Denn der Trojaner manipuliert auch die normalerweise folgende Überprüfungsseite. Erst beim Blick auf den Kontoauszug wird die falsche Buchung offensichtlich.

Firewall-Experte Alexander Meisel: Sinowal taugt zum Alptraum. Foto :Art of defence



Mehr zum Thema:

Fraud as a Service: Online-Betrug gibt es jetzt als Dienstleistung für Dummys

Security-Gateways schützen Mitarbeiter gegen Exploit-Trojaner

IBM macht E-Banking durch Datentunnel sicher



Immerhin sei den Banken das Problem bewusst, so Meisel: „Wir wissen aus dem Markt, dass einige Banken sich des Problems Sinowal bereits annehmen.“ Seine Web Application Firewall Hyperguard schütze in der aktuellen Version 3.0 vor Sinowal-Angriffen. Der Trick dabei: Der Trojaner erkenne ja anhand von Feldnamen wie Kontonummer, dass er aktiv werden muss. „Hyperguard verschlüsselt daher diese Feldnamen pro Session – wir nennen das Form Field Protection oder Feldnamen-Virtualisierung. Statt der für ihn relevanten Information „Kontonummer“ sieht der Trojaner also nur eine zufällig generierte Buchstaben- und Ziffernfolge – damit ist sein Weck- oder Manipulationsmechanismus überlistet.“


Zusätzlich abgesichert werde das Online-Banking durch eine URL-Verschlüsselung. Meisel: „ Dabei wird nicht die originale URL an den Web-Browser des Bankkunden ausgeliefert, sondern eine mit einem separaten Passwort verschlüsselte URL. Auch dies führt dazu, dass Sinowal die Aktionen, bei denen er eingreifen kann, nicht mehr erkennt.“


Trotz dieser Schutzerfolge gelte bei der IT-Sicherheit weiter die Geschichte von Hase und Igel. „Je ausgefeilter die Schutzmechanismen werden, desto intelligentere Angriffsformen entwickeln Hacker. Der beste Schutz besteht in einem Paket aus stetig verbesserter Absicherung der Technologie durch die Banken und sicherheitsbewusstem Online-Verhalten der Kunden.“



Artikel merken bei Bookmark bei: Google Bookmark bei: Twitter Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Digg Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Webnews
 

Suche

Direkt zu


Aktuell

July 3, 2009



Mehr Nachrichten

ID Management



Zum Artikel

Ratgeber



Zum Artikel

CZ News



  • IT-Gezwitscher
    Folgen Sie dem Twitter-Feed der CZ und bleiben Sie auf dem Laufenden – wo immer Sie auch sind.

Zum Twitter-Feed